Einzig Frieden ist alternativlos

Ich muss mich entschuldigen. Ich hatte früher mal geschrieben, wer das Wort „alternativlos“ in den Mund nimmt, sei phantasielos. Das stimmt, fast immer. Aber nicht, wenn es um Frieden geht. Denn Frieden – und Liebe – sind alternativlos. Denn zu Frieden gibt es keine Alternative. Nur den Krieg. Und der ist keine Alternative.

Wozu dient Krieg? Zum Zugewinn von Macht und Raum. Wem dient Krieg? Den Mächtigen. Einzig und allein denen, sonst niemandem. Wie bringen es Mächtige fertig, den anderen, denen, die für sie die Kriege ausfechten müssen, weis zu machen, dass der Krieg in ihrem Interesse ist? Indem sie sie belügen und ihnen einreden, dass ihre, der Mächtigen Interessen, ihre eigenen Interessen seien. Das nennt man Propaganda.

Beispiel Ukraine

Nehmen wir das jüngste Beispiel von Krieg in unserer Nähe, den Ukrainekrieg. Wer profitiert? Einzig und allein die Rüstungsindustrie, die die Waffen produziert, die dort verheizt werden und die, die deren Aktienwerte halten. Wer verliert? Die Hunderttausende, mittlerweile Millionen von Soldaten, die dort Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr getötet und verstümmelt werden, körperlich oder psychisch. Und einfache Leute bei uns, die aufgrund der Militärhilfe „ihre Gürtel bitteschön enger schnallen“ sollen. Es sind nichts als Worthülsen, dass dort „unsere“ Demokratie, „unsere“ Werte, und „unsere“ Sonstwas verteidigt werden. Es ist ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland, sonst nichts. Die USA hatten wenigstens die Chuzpe, das zuzugeben (https://ubn.news/de/das-us-aussenministerium-hat-eingeraeumt-dass-sich-der-krieg-in-der-ukraine-zu-einem-stellvertreterkrieg-zwischen-den-usa-und-russland-entwickelt-hat/. Nur bei SZ, Zeit, Öffentlichem Rundfunk und Co ist es noch nicht angekommen. Denn wir Europäer sollen ja diesen Stellvertreterkrieg psychisch und ökonomisch befeuern und die Kosten stemmen.

In jedem Krieg geht es einzig und allein um rohe Macht und blanke geopolitische Interessen. Natürlich ist Putin ein Aggressor, hat Machtinteressen und geopolitische Ziele, z.B. das Ziel einen Zugang zum Schwarzen Meer zu haben und Gebiete zurückzuholen, die einst zu Russland gehörten und andere. Er verfolgte mit seinem Einmarsch höchstwahrscheinlich auch das Ziel, die dort von den USA gesponsorten Biowaffenlabore auszuschalten. Dass es die gab, haben viele, die von der Presse als „Verschwörungstheoretiker“ geschmäht wurden, schon lange behauptet. Am 12.6.26 hat die Geheimdienstchefin der USA, Tulsi Gabbard, genau das zugegeben und eine Liste von mehr als 120 Biowaffenlaboren in mehr als 30 Ländern publiziert, die von den USA unterhalten wurden, u.a. auch in der Ukraine (https://www.odni.gov/index.php/newsroom/press-releases/press-releases-2026/4163-pr-10-26). 

Putin ist kein Heiliger und mir geht es nicht um Schuldzuweisungen oder die Abwehr von Schuld. Mir geht es einzig und allein darum, dass in der deutschen Politik plötzlich Gerede von Krieg, von Kriegstüchtigkeit, von Aufrüstung, von gewinnbarem Krieg, von Feindbildern wieder hoffähig geworden ist. Das ist aus meiner Sicht schier unbegreiflich, vor allem, dass diejenigen, die noch vor fünfzig Jahren als Friedensbewegung gegen Aufrüstung der NATO, gegen Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden protestiert haben, heute brav nicken.

Was macht eine Katze, wenn sie von einem fetten Hund in die Enge getrieben wird und nicht aus kann? Sie greift an, mit dem Schärfsten was sie hat und so schnell sie kann, und kein Hund, auch ein noch so starker, hat dagegen eine Chance, wenn ihm die Katze ihre Krallen in die Nase haut. Was macht ein Machthaber, wenn er in die Enge getrieben wird? Er holt irgendwann seine Reserve aus dem Arsenal, wenn er mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr weiterkommt. Gottseidank sind wir noch nicht ganz so weit. Aber wenn es soweit kommt, dann stehen wir Europäer und vor allem wir Deutsche in Russland einer Macht gegenüber, die immer noch ausreichend Atomsprengköpfe und andere Waffen zur Verfügung hat, um zentrale Schaltstellen der US-amerikanischen Infrastruktur in Deutschland und Europa auszuschalten. Wir nehmen dabei, einmal so ganz nebenbei, die Verwüstung unserer Städte und Landschaften in Kauf. Wer glaubt, wir könnten uns unter den nuklearen Schild der Nato ducken, ist entweder naiv, oder dämlich, oder beides. Die USA werden den Teufel tun und einen interkontinentalen Nuklearkrieg riskieren, indem sie einen taktischen Schlag der russischen Streitkräfte auf Europäische Zentralen mit ballistischen oder anderen nuklearen Waffen beantworten würden. Denn sie wissen genau, dass sie dann den Krieg ins Heimatland jenseits des Atlantiks importiert haben werden. Und genau das werden sie zu verhindern wissen. Sie werden allenfalls Europa opfern. Ohne viel Federlesens. Denn die Musik spielt für die USA schon längst im Pazifik. Das hat schon Obama mit seiner Politik deutlich gemacht.

Und wir? Wir sollten nicht so tun, als könnten wir, als wollten wir, als sollten wir einen Krieg gegen Russland führen wollen und gewinnen können. Das ist noch mehr als dämlich oder naiv, das ist selbstmörderisch.

Geschichtsbewusstsein bitte

Ein bisschen Geschichte hilft vielleicht:

1812 – Napoleon überfiel Russland mit einer riesigen Streitmacht von etwa 600.000 Soldaten. Der Zar brannte Moskau nieder, nachdem er sich mit allem was ihm wert und teuer war in die Tiefen des Landes zurückgezogen hatte. Napoleon überließ er seiner Armee und dem russischen Winter. Die riesige französische Streitmacht kam nicht einmal mit 30.000 Mann zurück über die Memel. Übrigens sollte man nicht vergessen: Napoleon und Zar Alexander hatten einige Jahre zuvor einen Freundschaftsvertrag geschlossen, mitten auf der Memel.

1914 – Kaiser Friedrich Wilhelm II. erklärte dem russischen Zarenreich den Krieg. Bis zur Oktoberrevolution 1917 wurde das Deutsche Reich dadurch in einen Zweifrontenkrieg verwickelt, der zum Ausbluten der deutschen Streitkräfte beitrug. Das Ende des Ersten Weltkrieges war gleichzeitig das Ende der Kaiserherrschaft der Hohenzollern und im Grunde der schleichende Beginn des Zweiten Weltkrieges.

1939 – Der deutsche Reichsaußenminister Ribbentrop schloss am 23. August mit dem sowjetischen Außenminister Molotow einen Nichtangriffspakt (oft auch Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet), der für den bevorstehenden Krieg Deutschlands mit Polen das Nichteingreifen Stalins sicherstellte. Dafür wurden in einem Zusatzprotokoll die Einflusssphären geteilt: Während West- und Zentralpolen, sowie Litauen zur deutschen Einflusssphäre wurden, wurde Ostpolen, die anderen baltischen Staaten, Finnland sowie das heutige Moldawien und Teile der Ukraine zur sowjetischen Einflusszone. Wenige Tage danach marschierte die Wehrmacht in Polen ein und drang bis zur neuen Grenzlinie vor. Zwei Jahre später, am 22.Juni 1941 brach Hitler seine Abmachung und begann mit dem schon lange geplanten „Unternehmen Barbarossa“ den Angriffskrieg gegen Russland. Der Anfang vom Ende dieses Unternehmens war nach etwa 1,5 Jahren die Kapitulation der 6. Armee am 2. Februar 1943 in Stalingrad. Das tatsächliche Ende fand dieses Unternehmen, als die Rote Armee im März/April 1945 Berlin erreichte. Ich habe mir in meiner Zeit in Frankfurt an der Oder die deutschen Stellungen am Oderabhang angeschaut, die die Rote Armee mit hunderttausenden von Toten erkämpfte, um den Weg nach Berlin freizuschießen. Frankfurt an der Oder brannte fast ganz nieder. Nicht weil die Russen es abgefackelt hätten, sondern weil niemand mehr da war, die entstandenen Brände zu löschen.

1989/90 – Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Sowjetunion zog Russland alle Soldaten aus der DDR ab. Der Warschauer Pakt löste sich auf. Gleiches kann man von den „Westmächten“ nur teilweise sagen. Die NATO gibt es immer noch. Die Franzosen und die Engländer zogen aus Berlin und anderswo ab. Die Amerikaner gaben manche Stellungen auf, behielten aber viele Kommandozentralen. Ohne diese wären die Kriege, die die NATO und die USA seither geführt haben – gegen Serbien, Irak, Afghanistan – gar nicht möglich gewesen.

2014 – Die Maidanzwischenfälle in Kiew wurden von amerikanischen Geheimdiensten und ukrainischen Nationalisten dafür benutzt, die Atmosphäre in der Ukraine aufzuheizen (https://globalbridge.ch/10-jahre-spaeter-die-maidan-revolution-in-der-ukraine/; https://weltwoche.de/daily/professor-jeffrey-d-sachs-der-krieg-in-der-ukraine-ist-vorbei-der-verlierer-der-durch-verhandlungen-gerettet-werden-wird-ist-die-ukraine-der-zweite-verlierer-ist-europa/). Die ehemalige US-amerikanische Staatssekretärin im Aussenministerium Victoria Nuland hat in einem mittlerweile öffentlich gewordenen Telefonat (https://www.bbc.com/news/world-europe-26079957)  deutlich gemacht, dass dies durchaus politische Absicht war, um Russland zu provozieren (https://www.nachdenkseiten.de/?p=103585). Anschließend begannen Ukrainische Streitkräfte mit der Beschießung von Gebieten, die traditionell von Russen bewohnt sind und begannen einen Bürgerkrieg, auf den Putin mit seinem Einmarsch in die Ukraine reagierte. Man kann davon ausgehen, dass die USA diesen Einmarsch vorhergesehen, vielleicht sogar provozierend in Kauf genommen haben. Seither haben wir Krieg vor unseren Toren. 

2024 ff. Es vergeht kaum ein Tag, in dem nicht getrommelt und gewirbelt wird. Man muss den bösen Putin notfalls mit Gewalt zu Boden zwingen. Aufrüsten. Waffen schicken. Kämpfen. Deutlich sagen wer der Böse ist. Denn wir, wir sind klarerweise die Guten.

Wenn man nur ein klein bisschen Geschichtsbewusstsein mitbringt, dann sieht man zwei Dinge. In der gesamten Geschichte ist Russland mehrheitlich das Land gewesen, das angegriffen wurde und sich verteidigt hat. Langfristig immer erfolgreich, und immer mit großen Verlusten an eigener Bevölkerung oder Sachwerten. Diese Tatsache ist im russischen Bewusstsein tief verankert. Dass Putin in seiner Amtszeit selber einige Kriege vom Zaun gebrochen hat, um den russischen Einflussbereich zu sichern, ist ebenfalls klar. Allerdings besteht ein großer Unterschied darin, ob eine Regierung traditionelles Terrain zurückgewinnen will bzw. deren Sezession verhindern will, oder ob sie expansiv nach anderen Ländern ausgreift.

Denn diesem Russland nun Expansions- und Machtgelüste nachzusagen ist aus meiner Sicht nicht nur unhistorisch, sondern auch faktisch gefährlich. Putin hat es nicht einmal fertiggebracht, sich die Ukraine einzuverleiben, wenn es denn jemals sein Ziel gewesen wäre. Wäre es das gewesen, hätte er es mit Sicherheit anders angestellt, mit größerer Streitmacht, besser geplant. Nachdem der Ukraine-Krieg schon fast so lange wütet wie die anderen großen Kriege der jüngeren Geschichte auf europäischem Territorium können wir von einer simplen Tatsache ausgehen: Er ist deswegen noch nicht aus, weil es keiner der Kontrahenten schafft, den anderen zu Boden zu zwingen. Die Russen nicht, weil wir die Ukraine mit Waffenlieferungen aufrüsten. Die Ukrainer nicht, weil Russland trotz unserer Waffen stärker ist. Ich weiß gar nicht, wie viele Vorhersagen vom Zusammenbruch Russlands ich schon gehört oder gelesen habe. Keine davon stimmte. Was lernen wir daraus? Wünsche machen noch keine Wirklichkeit.

Angenommen Putin gewinnt. Was wird er tun? Er wird höchstwahrscheinlich das tun, was er immer gesagt hat: sich die russisch-sprachigen Gebiete der Ukraine einverleiben oder ihre Autonomie sicherstellen, sich einen Zugang zum Schwarzen Meer sichern, der Ukraine politische und militärische Neutralität aufbrummen, und sich in Moskau als Held feiern lassen. 

Was er nicht tun wird, ist das, was ihm alle andichten: die baltischen Staaten, Polen, oder gar Deutschland überfallen. In der Schweiz glauben manche sogar, dass er in einigen Jahren die Schweiz erobern wird wollen. Erst in ein paar Jahren wahrscheinlich deshalb, weil er den Schweizern erst Zeit geben will, dass sie genügend amerikanische Flieger kaufen, die er dann gleich miterobern kann. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um solches Zeug von sich zu geben?

Gerechter Krieg und Tyrannenbekämpfung

Ja, aber! ´höre ich. Darf man denn nicht, muss man denn nicht einem Tyrannen Einhalt gebieten, präemptiv, bevor er gefährlich wird, nötigenfalls mit Krieg? Hätte nicht die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs verhindert werden können, wenn Chamberlain und Co. ihre Appeasement-Politik gegenüber Hitler aufgegeben hätten, rechtzeitig ihre Versprechen eingelöst hätten und Hitlerdeutschland mit Krieg überzogen hätten, bevor Hitler schlagkräftig genug gewesen wäre? Sind wir nicht froh darüber, dass am Ende die Alliierten, vor allem Amerikaner und die Rote Armee, Hitler niedergerungen und Deutschland befreit haben? Ist nicht ein Krieg zur Bekämpfung von Unrecht und zur Verteidigung seiner Heimat gerecht?

Kriege können gerecht sein, das haben schon die scholastischen Klassiker wie Thomas von Aquin [1, Secunda Secundae, Qs 40-42] im 13. und William Ockham [2] im 14. Jahrhundert diskutiert. Dann, wenn ein Angriff abgewehrt wird, wenn durch das kriegerische Begrenzen einer ungerechten Aggression mehr Unheil und Leid abgewehrt wird. Und ja, Tyrannen in ihrem aggressiven Ausgriff zu bremsen, auch mit kriegerischen Mitteln, kann nicht nur politisch sinnvoll, sondern auch moralisch gerechtfertigt sein.

Aber wir sollten nicht die Kategorien verwechseln. Hitler hatte das, was er dann tat über Jahrzehnte angekündigt. Es war in Reden und Texten öffentlich. Putin hat meines Wissens noch nie behauptet, er wolle Westeuropa erobern, Litauen, Polen oder Deutschland, und schon gar nicht die Schweiz. Er hat relativ klar gesagt, was er toleriert und was nicht und entsprechend gehandelt. Ihm zu unterstellen, dass er geheime Gelüste hegt, wegen derer man ihm das Handwerk legen muss hat nichts mehr mit der kriegerischen Einhegung eines Tyrannen zu tun, sondern ist allenfalls politische Paranoia und die gefährliche Basis für eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das Beispiel Hitler eignet sich nicht für die Argumentation in der jetzigen Situation. Weder hat Putin oder irgendwer in Russland von der Ausrottung ganzer Volksgruppen gesprochen oder dies in die Wege geleitet, noch gibt es irgendeinen Grund anzunehmen, die russische Aggression würde über die Grenzen der Ukraine hinaus präemptiv nach Europa überschwappen, außer wir provozieren dies. Russland will einfach sichere Grenzen und das ist sein gutes Recht, wie es unser aller Recht ist.

Sich um Frieden mühen

Das wird nur gehen, wenn wir uns um Frieden bemühen. Frieden passiert nicht von selber. Er ist ein aktiv zu erwerbendes und zu erhaltendes Gut. Wie genau kann dann Frieden geschehen, wenn Frieden alternativlos ist? Offenbar ist er es ja nicht, sonst hätten wir keinen Krieg und sonst stünde nicht der dritte Weltkrieg vor unserer Haustür, oder?

Frieden ist alternativlos, weil kein größerer Krieg irgendwelche Gewinner kennt. Jedenfalls nicht in Europa. Jeder Krieg auf unserem Boden wird zur historischen Selbstabschaffung Europas führen. Denn kein russischer Machthaber, egal ob er Putin oder anders heißt, wird es sich gefallen lassen noch weiter in die Ecke gedrängt zu werden. Siehe Katze. Dass Putin sich bislang noch nicht aggressiver gegenüber Europa verhalten hat, ist für mich erstens ein kleines Wunder, obwohl wir ja laut Analena mit ihm schon seit Jahren im Krieg sind, und zweitens ein Zeichen dafür, dass er sich durchaus rational verhält, weil er weiß, dass dies zu einer Eskalation führen würde. Die scheint er vermeiden zu wollen, sonst würde er mit einem vermuteten Überfall nicht warten, bis wir in ein zehn Jahren unsere marode Armee modernisiert haben. 

Vor vielen Jahren hat Putin einmal im Bundestag gesprochen und hat Deutschland ein historisches Angebot der Zusammenarbeit gemacht. Das wäre für die USA der maximal gefährlichste Zustand gewesen. Daher wurde die gesamte Propagandamaschinerie darauf angesetzt, einen solchen Unfall zu verhindern. Russland und Deutschland gemeinsam wären die größte Bedrohung für eine US-amerikanische geopolitische und wirtschaftliche Dominanz.

Frieden ist alternativlos, weil nur er Gedeihen aller Beteiligten fördert. Und Frieden kann man nicht machen, indem man sich einen Gegner aufbaut, ihn schmäht, kleinredet, ihm alle möglichen Motive und Schandtaten unterstellt. All das ist das Arsenal psychologischer Kriegsführung und Propaganda, für die sich dummerweise die Mehrheit unserer Qualitätsmedien einspannen lassen. Frieden erreicht man durch gegenseitiges Miteinanderreden. Das war schon einmal fast soweit. Das Istanbuler Friedensabkommen, ganz zu Beginn des Ukrainekrieges, war unterschriftsreif (https://weltwoche.de/daily/verhandlungen-von-istanbul-hier-lesen-sie-das-dokument-das-zwischen-der-ukraine-und-russland-im-april-2022-ausgearbeitet-wurde-im-wortlaut-und-auf-deutsch-uebersetzt/). Boris Johnson vergatterte Selenski, es platzen zu lassen. Das ist mittlerweile gut belegt (https://weltwoche.de/daily/der-westen-hat-die-verhandlungen-abgebrochen-weltwoche-kolumnist-jean-daniel-ruch-ex-botschafter-in-der-tuerkei-ueber-die-istanbuler-friedensverhandlungen-zwischen-russland-und-der-ukra/). Das Minsker Abkommen hätte so etwas sein können. Sogar Merkel hat zugegeben, dass es nur eine Farce war. Man wollte der Ukraine Zeit zum Aufrüsten geben.

Es wird Zeit für eine ehrliche, ernsthafte Initiative. Das Dumme ist nur, dass in Europa niemand in Sicht ist, dem man eine solche Initiative zutrauen würde. Zwar raunen sich Merz und Macron zu, man sollte doch, man müsste wohl, es bleibt wohl keine Wahl…. Trump hat den Aufschlag großspurig angekündigt. Aber bis jetzt ist nicht viel passiert. Vielleicht schaffen es ganz andere Akteure, China zum Beispiel, oder der Vatikan, oder andere neutrale Länder.

Aber eine Vorbedingung wäre hilfreich: Dass bei uns, in Deutschland, von dessen Boden zweimal Krieg gegen Russland ausging, dass bei uns die Menschen endlich aufhören, die Propaganda nachzuplärren und stattdessen sagen: Schluss jetzt. Frieden. Ohne Alternative. Denn Krieg nützt uns nicht. Daher muss Schluss sein mit dem Kriegsgetrommle und den Kriegstänzen.

Zu einer Zeit, in der die Menschheit ein Waffenarsenal angehäuft hat, mit dem sie sich selbst auslöschen kann, ist Krieg keine rationale Option mehr. Die Nukleardoktrinen des Kalten Krieges sind noch nicht verschrottet. Sie gelten noch. Und sie nehmen die Verwüstung Deutschlands und Europas in Kauf. Das sagen Merz und Co nicht. Ob sie es wissen, ist nochmals eine andere Sache; müssten sie eigentlich, wenn sogar ich das weiß. Geostrategen in den USA haben seit dem Ende des Kalten Krieges darauf hingewiesen, dass es das politische Ziel der Vereinigten Staaten sein muss, Europa als Verbündeten zu behalten, aber möglichst klein, und die Eurasische Landmasse zu kontrollieren, von Lissabon bis Wladiwostok [3-6]. Ich wüsste nicht, dass diese Doktrin geändert worden sei.

Vielleicht kommt ja eine Zeit, in der ein friedlicher Umbau in eine multipolare Welt möglich ist, eine Welt, in der einzelne Nationen oder Gruppen von Ländern und Nationen, ihre eigenen Bündnisse und Interessen gegenüber anderen vertreten, ohne andere beherrschen und ohne überlegen sein zu wollen. Ich finde, man sollte diese Hoffnung nicht aufgeben, denn wenn nur ein kleiner Funke Hoffnung besteht, sollte man ihn nähren. Das geht aber nur, wenn wir die Aufmerksamkeit vom Krieg weg auf den Frieden lenken und ihn mit allen unseren Fasern ersehnen, erbitten und nach Kräften erarbeiten. Frieden beginnt im Bewusstsein. Dann, wenn die meisten verstanden haben, dass er alternativlos ist. Und entsprechend handeln. Zum Beispiel, indem sie sich weigern, Propaganda zur Kenntnis zu nehmen und sich entsprechend informieren. Zum Beispiel, indem sie sich öffentlich äußern. Zum Beispiel, indem sie eine entsprechende Demonstration organisieren. Zum Beispiel, indem sie Medien und Newsletter abonnieren, die Ihnen nicht die Schauermärchen von der großen Bedrohung verkünden, sondern tieferliegende Analysen. Zum Beispiel, indem sie in ihrem Umfeld, im Kleinen, für Frieden sorgen, wo Spaltung und Zwietracht droht. Jesus pries die Friedensstifter selig, nicht die Kriegstreiber.

Quellen

Außer den unten zitierten Quellen fand ich die historischen Romane von Simon Scarrow zu den Napoleonischen Kriegen (https://simonscarrow.com/#revolution) sehr informativ, sowie die historischen Romane von Robert Harris. Ausserdem Kershaw, I. (2015). To Hell and Back. Europe 1914 -1949. London: Allen Lane, und Nolte, E. (2000, orig. 1984). Der Faschismus in seiner Epoche. München: Piper. Zur momentanen Situation ist das Buch von Odd Arne Westad (2026) The Coming Storm: Power, Conflict, and Warnings from History. London: Allen Lane, sehr hilfreich. Ich werde dazu vielleicht noch einen Revie

Die Informationen zur NATO-Atom-Doktrin sind einem noch unveröffentlichten Manuskript von Ramon Dersch entnommen, dessen Buch „Notizen vom Atomtod“, eine Serie von Essays der Jahre 2022-2026, in unserem Discorso Verlag erscheinen werden.

1. Aquin Tv. Summa Theologica, editio altera Romana. Rom: Forzani; 1894 1894/ /.

2. Ockham Wv. The De Imperatorum et Pontificum Potestate of William of Ockham, ed. by C.K. Brampton. Oxford: Clarendon Press; 1927.

3. Brzezinski Z. The Grand Chessboard: American Primacy and its Geostrategic Imperatives. New York: Basic Books; 1997.

4. Ganser D. Imperium USA. Die skrupellose Weltmacht. Zürich: Orell Füssli; 2020.

5. Kaplan RD. The Revenge of Geography: What the Map Tells us about Coming Conflicts and the Battle Against Fate. New York: Random House; 2013.

6. Kennedy PM. The Rise and Fall of the Great Powers: Economic Change and Military Conflict 1500 to 2000. New York: Random House; 1987.